Neues Provenienzforschungsprojekt in Sachsen-Anhalt
In dem Projekt „Erforschung von Objekten vermeintlich jüdischer Herkunft in der Fläche von Sachsen-Anhalt – die Tiefenprüfung nach dem Erstcheck“ werden von zwei Forscherinnen in einem Zeitraum von zunächst einem Jahr die Biografien von 176 Objekten erforscht, bei denen der Verdacht besteht, dass sie in der NS-Zeit verfolgungsbedingt verkauft, abgepresst oder zurückgelassen worden sein könnten. In diesem bisher beispiellosen Projekt werden in Sachsen-Anhalt so Objekte aus 22 Sammlungen von Museen untersucht, die ansonsten den Verdachtsmomenten aufgrund fehlender personeller und finanzieller Ressourcen und oft mangelnder Expertise in der Provenienzforschung nicht nachgehen können.
Aufgrund der inhaltlichen Verortung und der langjährigen Kompetenzbildung im Bereich jüdische Sammlungen und jüdische Geschichte in Sachsen-Anhalt leitet das Berend Lehmann Museum, das von seiner Trägerstiftung, der Moses Mendelssohn Akademie, getragene Projekt.
Landesweite Kooperationspartner
Als Kooperationspartner fungieren der Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V. und die folgenden 22 kooperierenden Museen:
1. Berend Lehmann Museum,
2. Museum Aschersleben,
3. Stadtmuseum „Wilhelm von Kügelgen“ Ballenstedt,
4. Museum Schloss Bernburg,
5. Kreismuseum Bitterfeld,
6. Anhaltische Gemäldegalerie Dessau,
7. Museum für Stadtgeschichte Dessau,
8. Museum Schloß Neuenburg (Bestände ehemalig. Kreismuseum) Freyburg,
9. Museum Heineanum Halberstadt,
10. Städtisches Museum Halberstadt,
11. Stadtmuseum Halle (Saale),
12. Historisches Museum für Mittelanhalt & Bach-Gedenkstätte Köthen,
13. Museum im Schloss Lützen,
14. Börde-Museum Ummendorf/Bestand Oschersleben,
15. Kreismuseum Osterburg,
16. Spengler-Museum Sangerhausen,
17. Salzlandmuseum Schönebeck/ Elbe,
18. Winckelmann-Museum Stendal,
19. Börde-Museum Burg Ummendorf,
20. Museum Schloß Neu-Augustusburg Weißenfels,
21. Harzmuseum Wernigerode und
22. Museum Schloss Zeitz.
In diesem Zuge widmet sich das Berend Lehmann Museum Objekten aus der eigenen Sammlung mit ungeklärter Besitzgeschichte aus der NS-Zeit. Zudem dient das Vorhaben dem Ziel, jüdisches Erbe in Sachsen-Anhalt zu erforschen und darzustellen.
Hintergrund
In den Jahren 2016 bis 2021 hat der Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V. in vier Staffeln insgesamt 30 Museen in Sachsen-Anhalt einem Erstcheck zur Prüfung von Verdachtsmomenten in Kulturgut unterzogen. Dabei wurden bei 172 Objekten aus 21 Museen Verdachtsmomente auf NS-verfolgungsbedingten Entzug von jüdischen Eigentümer:innen gefunden.
Das Projekt wird gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und der PostCode Lotterie.
Hier finden Sie das Projekt in der Datenbank Provenienzforschung Proveana.